Major, Charles Forsyth - Das Gesetz Gottes, erklärt in der evangelischen Kapelle zu Straßburg - Die Sonntagsfeier.

2. Mos. 20,8-11.
Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten, und alle deine Dinge beschicken; aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, und das Meer und Alles, was darinnen ist; und ruhte am siebten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag, und heiligte ihn.

Unser heutiger Text führt uns zur Behandlung eines Gegenstandes, der in unseren Tagen überall die Aufmerksamkeit vieler ernsten Christen beschäftigt. Unter tausend anderen Missbrauchen einer von Gottes Wort abgefallenen Zeit tritt die Entheiligung des Sonntags so auffallend und jedes religiöse Gemüt tief beleidigend hervor, dass es unmöglich ist, das Wort Gottes und das Wohl der Kirche Christi zu lieben, ohne mit allem Ernst auf Abstellung dieses Missbrauchs hinzuarbeiten. Nun gibt es aber zwei von einander sehr abweichende Ansichten, die sich bei dieser, wie bei jeder anderen kirchlichen Frage, in unseren Tagen begegnen. Die eine erwartet alles Heil der Welt von den Maßregeln, welche die Regierungen durch Gesetze und Verordnungen zum Besten der Kirche ergreifen sollen; die andere geht von dem Gesichtspunkt aus, dass Religion und Kirche Gewissenssache jedes einzelnen Menschen sei, und darum von den bürgerlichen Gesetzen nur geschützt, nicht aber geboten werden dürfe. Die erste Ansicht stützt sich auf die mancherlei Vorteile, welche dem Staate durch die Verwaltung der kirchlichen Angelegenheiten allerdings zugeflossen sind; die zweite weist auf die unzähligen Nachteile hin, welche der Kirche durch unbefugte Eingriffe des Staates in die religiösen Angelegenheiten des Menschen allerdings erwachsen sind. Besonders hebt diese letztere Ansicht die Verführung der Gemeine durch falsche, unbiblische Lehre hervor, die in allen Jahrhunderten daraus erwachsen ist, dass die Kirchendiener vom Staate, als von einer unkirchlichen Behörde, verordnet wurden, die sich um die Lehre nicht bekümmern wolle und könne; dagegen weist die erstere Ansicht hin auf die mancherlei Schwärmereien, die im Volke aus dem Missbrauch religiöser Freiheit zu allen Zeiten entstanden sind. Unter diesem Kampf der Ansichten über das Verhältnis von Staat und Kirche zu einander bleibt aber der Zustand beider ziemlich gleich; die Staaten werden durch Politik, und die Kirchen von Politikern regiert, während im bürgerlichen Leben die Nichtachtung beider sich oft auf schauderhafte Weise an den Tag legt.

Dass durch Regierungsbefehle zum Besten der Kirche in unseren Tagen nichts mehr auszurichten ist, bewiesen im vorigen Jahr zwei einander sonst sehr in den Prinzipien widersprechende Regierungen, die des Papstes zu Rom, und die der freien Hanse-Stadt Hamburg. Beide ließen ein Gesetz zur strengeren Feier des Sonntags ergehen. Der Papst hielt es aber für zweckmäßig, sein Gesetz wieder zurückzunehmen, weil Niemand darauf achten wollte; die Regierung von Hamburg, an Nichtachtung ihrer Gesetze gewöhnter, ließ das Gesetz stehen, ohne auf Befolgung desselben zu dringen. Würde man endlich einsehen wollen, dass, wo das göttliche Gesetz von Papst und Laie, von Königen und Bettlern mit Füßen getreten wird, auch kein menschliches Gesetz mehr Achtung gebieten kann, so würde man auch aufgeben, des Menschen Gewissen durch Regierungsdekrete in religiösen Dingen bestimmen zu wollen, und mehr dafür sorgen, das Wort Gottes, welches über Papst und aller Klerisei, wie über jeder weltlichen Regierung steht, dem Volke auslegen zu lassen, damit dasselbe lerne, aus Liebe zum Herrn und innerem freiwilligen Triebe die Missbräuche der Zeit von selbst aufgeben. So, und so allein, kann der Not der Zeit abgeholfen werden.

Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, wollen wir uns denn auch in dieser Stunde die Lehre des Wortes Gottes über die Feier des Sonntages mit gesammelten Herzen zur Befolgung merken. Wir werden zu dem Ende zuerst beweisen, dass auch dieses Gebot nicht nur der Kirche des Alten Testaments, sondern eben sowohl der Kirche des Neuen Testaments gilt; dann werden wir die mancherlei Missbräuche unserer Zeit und Umgebung rügen; und endlich einige Andeutungen geben für die rechte Befolgung dieses Gebots.

I.

Schon aus der allgemeinen Lehre des Neuen Testaments, die wir vorigen Sonntag berührten, geht es unleugbar hervor, dass das ganze Gesetz der Heiligung von der Kirche Christi befolgt werden müsse. Wir führten zum Beweise den Ausspruch des Apostels Jakobus an, den wir heute gern ausführlich wiederholen. „So jemand das ganze Gesetz hält und sündigt an Einem, der ist es ganz schuldig. Denn der da gesagt hat: du sollst nicht ehebrechen, der hat auch gesagt: du sollst nicht töten. So du nun nicht ehebrichst, tötest aber, bist du ein Übertreter des Gesetzes“ (Jak. 2,10.11.). Will man dagegen einwenden, dass der Apostel hier von den gröbsten Ausbrüchen der Sünde rede, die nicht verglichen werden können mit unserem dritten Gebot, so haben wir darauf zweierlei zu erwidern. Zuerst weisen wir hin auf den Zusammenhang jener Stelle in Jakobus und machen darauf aufmerksam, dass der heilige Apostel diese gröbsten Ausbrüche der Sünde gleichstellt mit der Verletzung der Achtung und Liebe, die man dem armen Bruder in einem unsauberen Kleide schuldig ist, und über alle drei angeführten Beispiele das königliche Gesetz der Schrift stellt: Liebe deinen Nächsten als dich selbst. Dann aber schließen wir weiter und sagen: Wenn der Apostel jene, der zweiten Gesetzestafel entlehnten, Beispiele mit solchem Nachdrucke einschärft, um zu beweisen, dass vor Gott nicht ein Gebot geringer geachtet wird als das andere, wie vielmehr haben wir dieses, der ersten Gesetzestafel entnommene, Beispiel heilig zu halten, deren Überschrift uns der Mund Jesu gegeben hat: Liebe Gott über Alles! Wenn in den Augen Gottes Mord und Ehebruch eben so große Sünde sind, als Verachtung und Beschämung des Armen in einem unsauberen Kleide, zu Gunsten des Reichen mit einem goldenen Ringe und in einem prächtigen Kleide, so muss ja um so viel mehr die Entheiligung des Sonntages eben so große Sünde vor ihm sein, als der größte Götzendienst, der Bilderdienst und die Entheiligung seines Namens, denn unsere Pflichten gegen Gott sind ja viel heiliger noch, als unsere Pflichten gegen den Nächsten. Was uns dieser vernünftige Schluss lehrt, wird uns aber die Vergleichung unseres Gebotes mit anderen Stellen der Schrift noch viel deutlicher zeigen.

Wir finden dieses Gebot der Sonntagsfeier eingesetzt bei Erschaffung der Welt und merken uns, dass Moses jene heilige Ruhe Gottes am siebten Tage als Grund der Ruhe des Menschen von seinen Werken anführt. Es gilt also dieses Gebot nicht dem jüdischen Volke allein, sondern es ist, eben so wie jedes andere der zehn Gebote, ein Sittengesetz für alle Völker der Erde, und eben darum ist es in der Kirche Christi zu allen Völkern durchgedrungen, während die bloßen Volksgesetze Israels von der Kirche des Neuen Testaments unbeachtet gelassen wurden.

Es gibt aber eine Stelle der Schrift, die oft gegen die Forderung der strengen Feier des Sonntages angeführt wird.. Es ist jene, da Christus am Sabbat heilte und zu den Pharisäern sprach: des Menschen Sohn ist ein Herr auch des Sabbats (Mark. 2,28.). Wir antworten gegen diese Einwendung: will man denn wirklich durch jene Strafe des pharisäischen Missbrauchs den rechten, christlichen Gebrauch als ganz aufgehoben betrachten? oder ist es nicht vielmehr der Wahrheit Gottes angemessen, wenn wir den pharisäischen Missbrauch, gegen den Christus dort durch Wort und Beispiel zeugt, aus unserem inneren und äußern Leben entfernen um mit desto heiligerem Eifer dem Worte Gottes gehorsam werden zu können, und den rechten Gebrauch aufzurichten? Man hat uns aber auch schon eingewendet: Wenn man denn durchaus auf so strengen Gehorsam gegen den Buchstaben des Gesetzes dringt, so muss man nicht auf halbem Wege stehen bleiben, sondern mit den Juden den Sabbat, von dem im vierten Gebot die Rede ist, feiern, und nicht willkürlich den Sonntag wählen, dessen hier keine Erwähnung geschieht1). Wir erwidern: Der Mensch ist sehr erfinderisch, sobald es gilt, die Forderungen des Wortes zu umgehen. Diese Einwendung muss in ihrer ganzen Nichtigkeit erscheinen, sobald man bedenkt, dass es uns nicht darum zu tun ist, die buchstäbliche Befolgung des Wortes auf Unkosten der Anbetung Gottes im Geiste und in der Wahrheit zu befördern, sondern eine Forderung des für die ganze Menschheit verordneten Sittengesetzes aufrecht zu halten, die in den geistigen Bedürfnissen des menschlichen Herzens eben so sehr gegründet ist, wie alle anderen Forderungen des Sittengesetzes. Ferner geben wir durchaus nicht zu, dass die Verletzung der Feier des Sabbats auf den Sonntag eine willkürliche menschliche Handlung war, sondern wir betrachten diese Einrichtung, wie alle anderen Einrichtungen der apostolischen Kirche, als ein Werk des heiligen Geistes, wodurch Christus, nachdem er am ersten Tage, am Sonntage, von den Toten auferstanden, recht eigentlich zu erkennen gegeben hat, dass er ist ein Herr des Sabbats; denn mit dieser Versetzung der Zeit der Feier gibt uns ja eben die, unter der Leitung des heiligen Geistes stehende, Kirche zu verstehen, dass für die Gemeine des Neuen Testamentes auch eine neue Zeit angebrochen ist, die uns, durch treues Anhangen an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn der Zeit, für den ewigen Sabbat vorbereiten muss, den diese jeden siebenten Tag wiederkehrende Feier symbolisch einleiten will. Aber man wendet ferner ein: Des Christen ganzes Leben soll ja eine immerwährende Sabbatsfeier, ein fortwährender Umgang mit Gott, ein beständiges, verborgenes Leben mit Christo in Gott sein, darum bedarf es dieser besonderen Feier nicht. Wir entgegnen: Darum bedarf es eben derselben, denn der Christ wandelt im Fleisch und muss, wie jeder andere Mensch auf Erden, im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen, bis er zum Staube zurückkehrt, von dem er genommen ist; darum dankt er eben als biblischer Christ (der den Wandel im Gehorsam des heiligen Gottes-Wortes wohl zu unterscheiden weiß von jenem schwärmerischen Treiben einiger Leute, die bei aller eingebildeten Geistlichkeit nur desto leichter in die tiefsten Sümpfe des Fleisches versinken), er dankt von ganzem Herzen seinem Gott, dass sein Erbarmen ihm einen Tag der Ruhe geboten hat; denn Niemand weiß besser, als der alle seine Pflichten, sowohl die irdischen als die himmlischen, gewissenhaft befolgende Christ, wie tief gegründet in den geistigen Bedürfnissen des Menschen dieses Gebot ist.

Darum werden auch alle diese Einwendungen nie von einem gewissenhaften Christen kommen, sondern nur immer von solchen, die es noch nicht recht ernstlich versucht haben, dem ganzen, in ihren Herzen wie im Worte Gottes geschriebenen, Sittengesetz Gehorsam zu leisten.

Wollen wir unter dem Vorwande: der Christ soll alle Tage dem Herrn seinem Gott heiligen, die besondere Feier des Sonntages gering achten oder wohl gar aufheben, so hätten wir auch eben so viel Recht, die Predigt des Wortes Gottes und die Feier des Sakraments zu verachten; denn jeder wahre Christ soll ja selbst das Wort Gottes fleißig lesen, wie er auch mit dem heiligen Geist getauft ist, und das Abendmahl des Herrn geistlicher Weise genießen kann. Nein, meine Freunde, lasst euch nicht durch solche Trugschlüsse des fleischlichen, irdischen Sinnes das Gebot und die Verordnungen des heiligen und allwissenden Gottes rauben, denn in diesem Gebot, wie in allen seinen Anordnungen für die Gemeine, liegt eine weise Berücksichtigung aller unserer Bedürfnisse verborgen, deren Wert wir erst durch den rechten Gebrauch aus seliger Erfahrung kennen lernen.

Aber es gibt noch ein Wort der Schrift, das oft gegen die strenge Feier des Sonntages missbraucht wird, und durch dessen falsche Anwendung schon manches redliche Gemüt irre gemacht worden ist. Wir meinen die Worte des Apostels Paulus Kol. 2, 16. 17.: „So lasst nun Niemand euch Gewissen machen über Speise, oder über Trank, oder über bestimmten Feiertagen, oder Neumonden, oder Sabbaten; welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war, aber der Körper ist in Christo.“ Es verhält sich mit dieser Stelle im Allgemeinen eben so wie mit jener Stelle, da Christus den pharisäischen Missbrauch straft, denn dasselbe tut Paulus auch hier. Wenn er aber von Feiertagen und Sabbaten spricht, die er V. 22. als Menschen-Gebot und Lehre bezeichnet, so gehört doch wahrlich eine ziemliche Unkenntnis der Schrift dazu, wenn man zu jenen jüdischen Feiertagen und Sabbaten auch den von Gottes Wort bei der Schöpfung eingesetzten Sabbat und die von der apostolischen Kirche unter Leitung des heiligen Geistes eingeführte Sonntagsfeier zählen will. Allerdings, wenn man die strenge Sonntagsfeier auch auf die durch Menschen-Gebot und Lehre allmählig aufgekommenen Feiertage in der Kirche ausdehnen will, und verlangt, dass das Weihnachtsfest, das Osterfest und alle anderen Feiertage auch als göttlich verordnete Festtage heilig gehalten werden sollen, so verfällt man notwendig in Pharisäismus und Heuchelei aller Art, und dann ist dieses apostolische Wort in seiner ganzen Kraft anzuwenden. Aber diese Anwendung wird nie der echt christlichen Feier des Sonntages in den Weg treten, sondern sie wird vielmehr dazu beitragen, das Gebot Gottes von der Menschen Gebot und Lehre zu unterscheiden und den göttlichen Wachstum der Gemeine zu befördern, die, unter dem einigen Haupte, Christo, stehend, mit ihm abgestorben ist den Anfängen der Welt.

Aus allem bisher Gesagten geht hervor, dass wir als gewissenhafte Christen verpflichtet sind, durch ein göttliches Gebot die Heiligung des Sonntages aufs Strengste zu beobachten, und in allen unseren irdischen Verhältnissen zum Wohl der Kirche Christi darauf hinzuarbeiten, das dieses vierte Gebot, als ein Teil des Sittengesetzes, eben so heilig gehalten werde, wie die neun anderen. Der Nutzen, welcher aus diesem ernstlichen Bestreben aller wahren Christen, sowohl für das bürgerliche, als auch für das kirchliche Leben, erblühen würde, ist unberechenbar, und es komme nur auf einen recht entschiedenen Versuch an, um ihn Vielen anschaulich zu machen, die jetzt noch darüber sich keine bestimmten Grundsätze gebildet haben.

II.

Nach gewissenhafter Prüfung und Beseitigung aller Einwendungen und nach erlangter Überzeugung, dass die strenge Sonntagsfeier von Gott den Christen geboten ist, blicken wir nun hin auf das vierte Gebot selbst. Dieses tritt uns in doppelter Gestalt entgegen, zuerst als Gebot, und dann als Verbot; letzteres finden wir aber durch das Beispiel Gottes bei der Welt Schöpfung noch besonders geschärft. Das Gebot lautet: Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst; sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken. Es ist nicht ohne Bedeutung, dass das Gebot der Heiligung des Sonntags so eng zusammenhängt mit dem Gebot der Arbeit während der übrigen sechs Tage, denn daraus lassen sich allerlei für das Leben nützliche Lehren ableiten. Es liegt nämlich der trägen, irdisch gesinnten Natur des Menschen sehr nahe, unter geistlichem Vorwande das Fleisch zu nähren. Daher sehen wir viele Leute die von Gott im Alten wie im Neuen Testamente weislich gebotene Arbeit so gern umgehen und, statt sich anzustrengen und ihr Fleisch zu kreuzigen, um alle ihre Dinge gewissenhaft und treu zu beschicken, unter vielen unnützen Vorwänden den Müßiggang wählen. Niemals tut dieser Fleischesdienst mehr Schaden im bürgerlichen Leben, als wenn er unter religiösem Vorwande geschieht. Darum bin ich keinem Geschlecht von Menschen weniger gewogen, als den faulen religiösen Schwätzern, die über lauter Lust daran, sich hinzusetzen und von religiösen Dingen zu reden oder reden zu hören, ihre Familienpflichten versäumen. Besser noch steht es um einen Menschen, der in offenbaren Lastern lebt, denn er ist leichter zu überzeugen, dass er der Sünde und dem Fleisch dient, als einer, der, während er seine Pflichten im Leben versäumt, den Schein annimmt, als ob er einen besonderen Eifer für Religion hätte. Hier sprudelt eine ergiebige Quelle aller möglichen Schwärmerei und Gottentfremdung, die wir mit äußerstem Fleiß aufsuchen und verstopfen müssen!

Es scheint mir in der Tat auch nicht die kleinste Ursache der Entheiligung des Sonntages darin zu liegen, dass die Menschen unserer Zeit überhaupt nicht mehr recht ernstlich und anhaltend arbeiten wollen während der Woche, denn nur der weiß die Ruhe für Leib und Seele recht zu schätzen, der sich, nicht im Dienst der Sünde, sondern in der treuen Erfüllung seiner Pflichten, auch recht müde gearbeitet hat. Darum `halte ich dafür, dass das Gebot der treuen, gewissenhaften Arbeit in der Woche nicht weniger den Leuten ans Herz zu legen ist, als das Verbot der Entheiligung des Sonntages, weil Untreue und Nachlässigkeit in Erfüllung seiner irdischen Pflichten auch eine Entheiligung des von Gott gegebenen Berufs ist; denn wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. Und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben das Eure? (Luk. 16,10.12.) Jede Untreue aber im irdischen Beruf zieht die traurigsten Folgen für das Familienleben nach sich, wie Jedermann weiß. Man erkundige sich einmal genau nach der Berufstreue und Gewissenhaftigkeit, welche die Häupter der meisten heruntergekommenen Familien in bessern Tagen geübt haben, und man wird bald des Elends Anfang einsehen lernen, der, während seine Folgen täglich offen vor Augen liegen, immer neue Nachahmer findet. Gewissenlosigkeit, Trägheit, Betrug und Lüge sollen in unseren Tagen bei vielen Leuten die treue Arbeit während der Woche ersetzen, denn bei allem Müßiggang will man doch leben, und daraus erklären wir uns leicht die fürchterliche Immoralität in allen Volksklassen. Doch wir werden ein andres Mal Veranlassung nehmen, diesen Gegenstand ausführlich zu behandeln, daher eilen wir heute darüber hin und deuten nur an, wo der Krebsschaden sitzt, aus dem in den meisten Fällen die Entheiligung des Sonntages hervorwächst, wie ein Pilz aus sumpfigem Boden.

Der zweite Teil unseres Textes enthält nun das eigentliche Verbot, welches uns heute vorzüglich beschäftigt. Es lautet also: „Uber am siebenten (Tage) ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, und das Meer und Alles, was darinnen ist; und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.

Beim aufmerksamen Lesen dieses Verbots der Entheiligung tritt der Hauptgedanke des ganzen vierten Gebots, den der heilige Geist dem Leser entgegenträgt, so schlagend hervor, dass man sich wundern muss, wie er so selten anerkannt wird. Er ist dieser: Der siebente Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes (nicht von Menschen eingeführt), er ist ein vom Herrn gesegneter und geheiligter Tag, und dieses ist der Grund, warum du, o Mensch, dich an demselben aller irdischen Geschäfte entschlagen sollst. Tust du es, so wirst du des Segens, der in diesem Tage liegt, teilhaftig werden zu deiner eigenen Freude und Heiligung. Wer aber bedarf dieses mehr, als du, in irdischer Mühe und Arbeit so vielfach geplagter Mensch, aus Staub und Asche? Oft wird die strenge Befolgung dieses Gebots als eine peinliche Last, als eine Forderung angesehen, die der Mensch allerdings berücksichtigen soll, weil sie von Gott kommt; weil er aber den eigentlichen Zweck, den Nutzen dieser Forderung nicht recht einsieht, so sucht auch der sonst Gewissenhafte sie teilweise zu umgehen unter allerlei Vorwänden der einmal bestehenden bürgerlichen Einrichtung, der Gewohnheit, des Geschäftsgangs, des Postenlaufs und dergleichen. Liest man, aber die Stelle in der Bibel selbst nach, so muss sich dem Vernünftigen die Sache ganz anders darstellen. Es ist eine göttliche, ewige Einrichtung, eine Gottesgewohnheit, ein göttlicher Geschäftsgang, ein ewiger Postenlauf des heiligen Geistes, der uns hier verkündigt wird, und der, sobald wir uns darein finden wollen, ganz zu unserem Vorteil ausschlägt. Dass sich doch die armen, blinden Menschen in ihres gnädigen Gottes Ordnung fügen und erkennen wollten, wie ihre bürgerlichen Einrichtungen lauter aus der Sünde entsprungene Unordnungen sind, dadurch sie des zeitlichen wie des ewigen Segens verlustig werden! Und doch wird kein nur etwas im Gang irdischer Dinge Erfahrener es wagen, dem alten Sprichwort zu widersprechen: An Gottes Segen ist Alles gelegen! Ich behaupte frei, dass hier auch vom Segen im Irdischen die Rede ist, und dass der Mensch, der dieses Gebot nicht beobachtet, unmöglich gesegnet sein kann in seinem irdischen Geschäft. Man wird mir vielleicht einwenden: die Erfahrung lehrt, dass das Geschäft solcher, die durchaus nicht fragen nach diesem Gebot, ganz herrlich blühet. Dagegen sage ich mit Ernst und Nachdruck: nicht immer ist äußerlicher Wohlstand ein Zeichen göttlichen Segens, sondern oft des Gegenteils. Sagte nicht der Versucher in der Wüste zum Herrn, ohne dass dieser ihm darin widersprach: „die Macht und die Herrlichkeit der Welt ist mir übergeben, und ich gebe sie, welchem ich will?“ (Luk. 4, 6.) Weißt du auch, welche innere Unruhe, welche Gewissens bisse, welche schauderhafte Todesstunde mit manchem herrlich blühenden Geschäft verknüpft sind, und wolltest du dieses auch den Segen Gottes nennen? Oder ist es nicht weiser, zu sagen mit Salomo: es ist besser ein Wenig mit der Furcht des Herrn, denn großer Schatz, darinnen Unruhe ist?“ (Sprüche 15, 16.)

Die Verachtung dieses Gebots hat aber zwei im Herzen des Menschen tief verborgene Wurzeln, aus denen alle Unordnung und aller Unsegen entsprungen ist auf Erden. Diese vergifteten Wurzeln unseres Daseins heißen Geiz und Lust. Wer sich davon überzeugen will, dass sie auch schuld sind an der Entheiligung des Sonntags, die wir so sehr beklagen müssen, der sehe nur mit unbefangenem Auge das Treiben der meisten Menschen an diesem Tage in unserer Stadt an, und er wird bald belehrt sein. Unsere ganze bürgerliche Einrichtung dreht sich um diese beiden, sich gegenseitig bedingenden, finsteren Kräfte des menschlichen Herzens. Der Geiz zieht Viele eng zusammen und gibt ihnen Kraft zum Handeln, ihr Treiben aber geht nach irdischem Besitz; die Lust dehnt Andere weit aus und gibt ihnen den Trieb zu leben, und ihr Trieb geht nach irdischem Genuss. Am anschaulichsten wird dieses, wenn man an einem Sonntage unsre Städte und Dörfer durchwandelt. Der Geizige streckt seine Hände aus nach dem überfließenden Beutel des Lustigen, und der Lustige genießt, was ihm der Geizige darreicht, mit hoher Freude, denn er glaubt das Ziel seiner Wünsche erreicht zu haben. Oft geschieht es aber, dass die Menschen ihre Rollen wechseln. Gewöhnlich, nachdem Einer seine Jugendjahre im Dienst der Lust verschwendet hat, sieht er ein, dass, wie Andere von ihm gelebt haben, nun auch Zeit sei für ihn, von Anderen zu leben, und es gelingt ihm, denn er kennt die Welt. Er darf nur aufhören, nach irdischem Genuss zu trachten, und alle im Genuss gesammelten Erfahrungen auf irdischen Besitz anwenden, so kann es ihm nicht fehlen; er muss seine Rechnung machen, denn die Welt will ja betrogen sein!

Weil nun nach altem Brauch der Sonntag als Ruhetag betrachtet wird, so ist es ganz natürlich, dass beide Leidenschaften sich auf diesen Tag vorzüglich geworfen haben, wie das Gevögel auf ein Aas. Unsere Sonntage sind nichts anders, als ein lebhafter Ausdruck unseres ganzen bürgerlichen Strebens, das sich während der Woche mehr verbirgt und am Sonntage stärker hervortritt. Der Kaufmann kann sich nicht entschließen, seinen Laden zu schließen an einem Tage, da am meisten gekauft wird2). Warum wird aber an diesem Tage so viel gekauft, und wer sind die Käufer? Antwort: weil die ganze lebenslustige Welt ihn für einen privilegierten Freudentag ansieht; die Käufer aber, wenn sie der niedrigen Volksklasse angehören, sind Leute, welche es recht darauf anlegen, ihren Lohn an diesem Tage zu vertun. Zählen sie sich zu den höheren Ständen, so sind es Leute, die sich gern am Sonntage in ihrem eitlen Schmuck auf der Gasse, auf der Promenade, im Laden oder, wenn es sein muss, auch in der Kirche sehen lassen wollen. - Errötest du nicht vor dir selbst bei dem Gedanken, dass dein Haupterwerb von diesem Sündendienst herkommen soll? Kannst du glauben, dass der Segen Gottes auf dem ruhen kann, was du auf diese Weise verdienst? Was hindert dich, an diesem Lage deinen Laden zu schließen, dein Geschäft ruhen zu lassen? Willst du ehrlich sein und die Wahrheit gestehen, so wirst du antworten müssen: der Geiz. Und wenn du dieses heute nicht zugeben willst, so verkündige ich dir im Namen des Gottes, der Himmel und Erde geschaffen hat, dass für dich ein Tag kommen wird, an dem du es wirst gestehen müssen. Aber das wird ein Tag sein, nicht des Gewinns, sondern des Verlustes, nicht des Genusses, sondern der Entsagung: des Verlustes ewiger Seligkeit, der Entsagung ewiger Freuden. Was ich hier von einem bürgerlichen Beruf gesagt habe, das gilt allen anderen, denn es gibt wohl nicht einen irdischen Erwerbszweig, der sich nicht durch Entheiligung des Sonntags mit dem Unsegen Gottes belastete.

Ich wende mich nun zu Solchen, die den Sonntag entheiligen durch irdischen Genuss. Ich gedenke derer nicht besonders, die ihn im Kaffeehaus, auf der Promenade, auf dem Tanzboden, am Spieltisch, im Theater und an den Lustörtern außer der Stadt entheiligen, denn selten verirren sich solche bis in unsere Kapelle, und wenn sie auch einmal erscheinen, so ist es Neugierde, die sie herein trieb, und Unlust, die sie wieder wegtreibt, weil es hier für den sinnlichen Menschen ja nichts zu genießen gibt. Aber es gibt solche unter uns, die den Sonntag als den Tag ansehen, für welchen man jedes kleine Geschäft aufbewahrt, das mehr für die Familie, als für das Geschäftsleben gehört. Ich kann mir keinen anderen Grund der Trennung des Familiengeschäfts vom Berufsgeschäft denken, als den, dass es einen gewissen Genuss gewährt, sich mehr mit dem zu beschäftigen, dessen nähere Beziehung auf unsere Lieben uns vor Augen liegt. Hört es aber deshalb auf, ein Geschäft zu sein? Oder ist es nicht eine absichtliche Selbsttäuschung, mit der du dich bereden willst, du arbeitest ja nicht, wenn du dich mit dem näheren Wohl deiner Familie beschäftigst? Was anders ist der Zweck aller deiner Arbeiten während der Woche, als eben diese Familie? Oder vielleicht hast du Langeweile, und wenn du ein oder zwei Mal in der Kirche gewesen bist, so weißt du nicht, was du mit der übrigen Zeit des Sonntags anfangen sollst, und, da machst du mir denn allerlei kleine Geschäftchen, denen du, um nicht Anstoß zu geben, diesen oder jenen guten Namen geben möchtest. Nun, das soll bald besser werden, wenn wir erst den rechten Kern der Frage und den Wohlgeschmack seines süßen Öls gefunden haben werden!

Doch auch mancherlei gesellschaftliche Vergnügungen werden noch von vielen meiner lieben Zuhörer für den Sonntag gespart, und wenigstens will man sich es nicht nehmen lassen, wie alle Welt zu tun gewohnt ist, an diesem Tage Besuche zu machen und zu empfangen. Ich gestehe, dass ich bei sonst gewissenhaften und religiösen Leuten diese Inkonsequenz mir nur daher erklären kann, dass sie die rechte Heiligung des Sonntags noch nicht aus Erfahrung kennen. Darum will ich zum Schluss über diesen Gegenstand noch einige Winke geben, wie ich versprochen habe.

III.

Ist es nicht merkwürdig, dass über die Weise der Heiligung des Sonntags keine weitere Anweisung erteilt ist, als das Wort: Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst? Es wird daneben nur jedes irdische Geschäft verboten, und des Segens erwähnt, den Gott in diesen siebten Tag gelegt hat. Aber wie dieser Segen herauszufinden, auf welche Weise diese Heiligung des gesegneten Tages geschehen soll, wird ganz der Einsicht dessen überlassen, der begierig ist, den verborgenen Schatz in diesem Acker zu finden. Liegt nicht schon in dieser Freiheit, die uns Gott lässt, eine Andeutung, dass hier es sich nicht handelt um einen ängstlichen, gezwungenen Gottesdienst, sondern um eine edle, freie Selbstbestimmung, die der Herr dem Menschen so gern überlässt? Darum werde auch ich mich wohl hüten, euch heute Gesetze vorzuschreiben, wo Gott keine gegeben hat, sondern nachdem ich den Missbrauch gerügt habe, will ich nur einige kurze Andeutungen geben für solche, welche sich überzeugt haben, dass die gerügten Missbräuche wirklich Entheiligung sind eines Lages, den Gott zu ganz anderem Gebrauch geheiligt oder abgesondert hat von den übrigen Tagen der Woche.

Der Sonntag, meine Freunde, ist dazu bestimmt, der schönste und heiterste Lag unter den Tagen zu sein, darum ist es recht eigentlich das stille zurückgezogene Familienleben, in dem sich seine Ruhe und sein Segen offenbaren sollen. Ich will versuchen, euch das Bild einer Familie zu entwerfen, die es versteht, diesen vom Herrn gesegneten Tag recht zu benutzen. Aber die Sonntagsfeier darf nicht als ein vom übrigen Leben losgerissener Akt betrachtet werden, der als etwas Besonderes dasteht, sondern sie wird allein in solchen Familien würdig und fröhlich begangen werden können, wo sie als natürliche Blüte des jeden Tag in der Familie geübten Hausgottesdienstes erscheint. Darum setzt sie diesen voraus und ist eigentlich nichts anders, als ein erweiterter Hausgottesdienst, der den engeren Familienkreis mit seinem ganzen Segen in den weiteren Kreis der Gemeine einführt, um dieser den im Verborgenen empfangenen Segen zuzutragen, und von ihr öffentlich neuen Segen durch die Erquickung vor dem Angesicht des Herrn mit vielen Familien einzusammeln. So gedacht fließt der Segen, den jede Familie im Hausgottesdienst gesammelt hat, am Sonntage in der Gemeine zusammen, wo viele Familien zu Einer werden vor dem Vater, der ins Verborgene sieht, und öffentlich vergilt. Darum muss aber auch jeder Versuch, die Sonntagsfeier von oben herab ober von außen heran ins Leben einzuführen, scheitern, und nur da wird sie wahrhaft gedeihen, wo sie von innen heraus durch freiwillige Wahl der Familienglieder aufblüht, wie die Blume eines lieblichen Gartens aus fruchtbarem, wohlbetautem Boden.

Nun lasst uns einen Blick tun in das Heiligtum eines christlichen Familienlebens am Sonntage.

Der Morgen bricht an, Vater und Mutter haben sich die Woche redlich abgemüht in dem irdischen Beruf; sie freuen sich zum Voraus eines Tages, an dem sie die Sorgen und Unruhen des Berufslebens ganz abweisen dürfen; sie fühlen, wie gut die Ruhe nach der Arbeit ist, und der heitere, fröhliche Sinn, den das Bewusstsein mit sich bringt, die ganze Woche hindurch auf den Wegen Gottes gewandelt zu haben, teilt sich aus ihren Herzen der ganzen Familie mit. Wie jeden Tag, wird auch dieser mit dem Lesen eines Kapitels aus der Schrift und mit einem Gebet begonnen, woran die ganze Familie, Knecht und Magd, und auch der Fremdling, der in deinen Toren ist, Anteil nehmen. Das Wort Gottes, meine Freunde, ist ein herrliches Vereinigungsmittel aller Glieder einer Haushaltung, und auf den Knien einigen sich so leicht alle Herzen, die durch Unruhen und Sorgen des irdischen Lebens oft auseinander gerissen werden. Hat eine solche Familie die innere Gewissheit aus dem Worte Gottes erlangt, dass in diesem Tage ein verborgener Segen liegt, wie wird nicht jedes Mitglied darauf bedacht sein, in stiller Sammlung den Segen herauszufinden, der ihm bestimmt ist!

Auch die Kinder? höre ich begierig fragen; und antworte beherzt aus vielfacher Erfahrung: allerdings, auch die Kinder! Denn wie du deine Kinder von frühester Jugend aufziehst, so wirst du sie haben. Liebst du selbst das Wort Gottes von ganzem Herzen, so wirst du auch wissen, dasselbe deinen Kindern angenehm und liebenswürdig darzustellen in Wort und Werk, und sei nur recht beherzt dabei, der Kinder Verstand und Gemüt an diesem unvergleichlichen Kinderbuch sich entfalten zu lassen; du wirst noch Wunder erleben, wie deine eigenen Kinder dich alten, langsamen Mann, dich kluge, vorsichtige Hausfrau beschämen werden. Scheue dich aber auch nicht, mit deinen Kindern zu lernen, mit ihnen deine Sünden zu bekennen und Weisheit zu erflehen vom Vater im Himmel. Scheue dich nicht, vor deinem Gesinde und mit ihnen die Gebrechen deiner Familie vor das Angesicht des Herrn vom Himmel zu bringen; scheue dich nicht wie ein Kind und ein Unwissender, mit allen, die in deinem Hause sind, auf den Knien zu liegen vor dem Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Wo solche Gesinnung in einer Familie herrscht, wo dieser Geist weht, meint ihr, dass der Herr sich da wird unbezeugt lassen am Tage seiner heiligen Ruhe? Muss sich nicht in Aller Herzen der. Friede der Ewigkeit niedersenken, und müssen sich nicht Alle freuen, einen solchen Tag feiern zu dürfen, von dem alles entfernt wird, was die stille fröhliche Sammlung einer Familie zu Gott stören könnte? Und bist du so glücklich, in deinem Bereich eine Kirche zu besitzen, in der das Wort vom Kreuze Christi verkündigt wird, was sollte dich wohl hindern können, auch diesen Segen Gottes zu benutzen mit deiner ganzen Familie zur Lehre, zur Ermahnung, zur Strafe und zur Besserung, mit Einem Wort zur Übung in der Gottseligkeit? Bist du aber auch nach der Heimkehr aus der Kirche verlegen um Unterhaltung bei Tische, so bietet dir ja gerade die angehörte Predigt Stoff genug zur Auslegung und Erklärung mit deinen Kindern; oder, willst du lieber, so wähle irgend ein gutes Buch, daraus du den Deinen nach Tische ein lehrreiches und unterhaltendes Wort vorliest3). Glaube mir nur, deine Frau und Kinder werden sich hoch freuen, dich so in ihrer Mitte zu sehen, und du selbst wirst nirgend schönere Stunden der Ruhe und frommer Erholung finden, als in diesem engsten Kreise deiner Lieben.

So ist dein Morgen vergangen, und dein Nachmittag bietet dir neue Ruhe, neue Erbauung. Wird in deiner Nähe das Wort Gottes recht verkündigt, so darf ich dich, nach einem solchen Morgen, nicht erst ermahnen, zum zweiten Mal zur Kirche zu gehen. Das Wort wird dich ziehen und das Bedürfnis deiner Seele wird dich treiben. Mit betendem, stillem Herzen wirst du kommen, mit fröhlicher, voller Seele wirst du gehen, und was du in der Gemeine des Herrn gesammelt hast, das wirst du im stillen Familienkreise anzuwenden und gleichsam in kleinen Portionen den Deinen auszuteilen wissen. Daneben bleibt dir am Abend Zeit zu einem Spaziergang im Freien mit den Deinen, und gewiss wird dein Abendsegen vor der Nachtruhe keine leere Form sein nach einem also geheiligten Tage.

O Väter, Mütter, ihr wisst nicht, wie viele stille häusliche Freuden ihr entbehrt, wenn ihr den Tag des Herrn nicht recht zu benutzen wisset! Doch ich höre so viele Einwendungen, so viele Wenns und Abers sich ringsum in hundert Herzen erheben, dass ich nicht weiter gehen kann in meinen Winken. Ich weiß wohl, ich habe hier nicht alle möglichen Fälle des Lebens berücksichtigt; es ist mir aber deshalb nicht verborgen, dass oft schwierige Fälle und Verhältnisse vorkommen. Aber alle diese sind zu überwinden, so du Glauben hast wie ein Senfkorn.

Nur Eines noch möchte ich zum Schluss erinnern. Gedenket daran, dass der Sonntag ist ein Tag der Ruhe für Leib und Seele; nicht ein Tag des unruhigen und unordentlichen Genusses, sondern ein Tag des Verläugnens dessen, was zerstreut und nach Außen führt. Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden, siehe, es ist inwendig in euch. O, mein Gott! Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser denn sonst tausend, ich will lieber der Tür hüten in meines Gottes Hause, denn lange wohnen in der Gottlosen Hütten. Amen!

1)
Anm. Diese Einwendung wurde mir von einem gelehrten Theologen gemacht, der im Allgemeinen der Supranaturalistischen Lehre ergeben war.
2)
Anm. Seitdem dieses gesprochen wurde, haben mehrere Kaufleute in Stuttgart ein schönes Beispiel gegeben, dass der christliche Kaufmann sich allerdings dazu entschließen kann und soll. Wir hoffen, dass auch unter uns viele Kaufleute dasselbe tun werden, was einzelne schon seit Jahren bei uns ohne allen Schaden für ihr Geschäft üben.
3)
Anm. Wir haben ja jetzt, Gott sei Dank, so viele solcher Bücher z. B. Barths Schriften sämtlich werden gern und mit großem Nutzen von Jung und Alt gelesen. Des gemütlichen Schuberts letzter Band vom Alten und Neuen tut mir eben jetzt die herrlichsten Dienste. Auch die Schriften der Grace Kennedy, mit weiser Auswahl benutzt, sind eine herrliche Fundgrube.